Warnung vor dem Lipid-Surrogat-Endpunkt

Rutschgefahr!„UHU“ – „Unter Hundert“ schallt es aus ganzseitigen Anzeigen im deutschen Medizinblätterwald. Patienten sollen ein neues „Ziel“ erreichen – praktischerweise ein, was nicht selten eine Polypharmakotherapie provoziert (s.u.).
Hier wird ein klassischer Surrogatendpunkt anvisiert. Das Lipid-Surrogatparamter durchaus fraglich sind, zeigt das aktuelle Beispiel von Torcetrapib:
Nachdem die Substanz zwar die Lipidwerte „verschönert“, aber bei einem ersten Surrogatendpunkt (Carotisplaquevolumen) durchfiel, wurde nun ein „Megatrial“ gestoppt, da gegenüber Placebo mehr Patienten verstarben. Das Editorial sinniert (leider nur) über das Ende von HDL als Surrogat.
Ob Gesamtcholesterin und LDL gute Surrogate sind ist nicht ganz geklärt. Von Langzeitstudien zum Ezetimib, was immerhin schon seit 2002 in Deutschland zugelassen ist, hört man bisher nichts. Damit bleibt auch „UHU“ – zumindest wenn man es nicht mit Statin-Monotherapie erreicht – fragwürdig.

Noch ein Schluß-Zitat: „it is estimated that more Americans were killed as a result of class Ic antiarrhythmic agents used in this manner than were killed in the Vietnam war“(Moore T. Excess Mortality Estimates. Deadly Medicine: Why Tens of Thousands of Heart Patients Died in America’s Worst Drug Disaster.New York, NY: Simon & Schuster; 1995) [gefunden hier]

UPDATE: Ezetimib ist nun offiziell durchgefallen (bei Patienten mit familiärer Hypercholesterinämie und dem Surrogat-Endpunkt Carotis-Intima-Media-Dicke.

Ein Kommentar zu “Warnung vor dem Lipid-Surrogat-Endpunkt”

  1. mager
    März 31st, 2008 09:41
    1

    Nun ist die Vollpublikation draussen: http://content.nejm.org/cgi/content/full/NEJMoa0800742
    Dazu als Editorial http://content.nejm.org/cgi/content/full/NEJMe0801608