„evidence-based medicine“ vs „science-based medicine“?

Nadeln auf ForrestplotIn der engl. „EbM-Blogosphäre“ wurde gerade eine Diskussion über „Komplementärmedizin“ (mit Vorschlägen wie Umbenennung in „Paramedizin“ o.ä.) zu einer interessanten Debatte über Grenzen und Abgründe der EbM. (ein guter Einstieg ist:[1], [2], [3])

Die Grundbotschaft ist, dass sich mit EbM alles beweisen lasse, egal ob noch so absurde Grundvorstellungen dahinterstecken (Homöopathie, Akupunktur…) – und Ursache sei, dass die Vortestwahrscheinlichkeit nicht berücksichtig wird. Das Grunddilemma wurde von Ioannidis in „Why Most Published Research Findings are False“ thematisiert. Eine hervorragende Zusammefassung und Erklärung der Idee und der Statistik dahinter wurde schon vor einiger Zeit von Tabarrok gebloggt.

Kurz gesagt: wenn man beliebig testet wird man irgendwann mal ein positives Ergebnis finden – und im schlimmsten Falle wird es dann durch eine Meta-Analyse geadelt. Bei Anwendung der EbM-Methodik auf Zweifelhaftes sollten die Zweifel auch bei korrekter EbM-Methodik erhalten bleiben. Zwar gilt der Grundsatz „biologische Plausibilität hat schon zahllose Leben auf dem Gewissen“ – aber der Umkehrschluß, dass man gar keine biologische Plausibilität (Pathomechanismen, Pathobiochemie…) mehr brauche ist auch abzulehnen.

Spannende Diskussion oder alter Hut? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

PS: passend zum Thema ist auch der neuste Artikel von John Ioannidis im JAMA zum Thema wie lange sich widerlegte Fakten in der Literatur halten.

3 Kommentare zu “„evidence-based medicine“ vs „science-based medicine“?”

  1. mager
    Februar 23rd, 2008 23:02
    1

    Die Debatte geht weiter: http://www.sciencebasedmedicine.org/?p=49 http://www.sciencebasedmedicine.org/?p=63

  2. Erich sieht
    Februar 25th, 2008 12:03
    2

    Kritischer Rationalismus, Eristische Dialektik und Cargo-Kult: warum Wissenschaftsglaube auch blöd ist…

    Ich bin Anhänger des kritischen Rationalismus oder halte mich jedenfalls für einen. Das merkt man vielleicht nicht sofort, weil ich außerdem auch meinen Schopenhauer gelesen habe, aber ich will trotzdem daran glauben. Der Wikipedia-Artikel ist sehr …

  3. mager
    März 10th, 2008 09:58
    3

    Mehr zur IVF-Meta-Analyse: http://doctorrw.blogspot.com/2008/03/latest-woo-from-bmj-acupuncture-as.html

    Kurzerklärung zur Vortestwahrscheinlichkeit:
    P(AIB) = [P(BA) x P(A)] / P(B). P(AIB) (die Wahrscheinlichkeit von A unter der Voraussetzung B B). P(A) ist die Vortestwahrscheinlichkeit – und wenn es um Homöopathie etc. geht muss hier ein Wert nahe Null eingesetzt werden. Das bringt die Gesamtgleichung auch nahe Null.