Einer für alle – Behandlung ohne Symptombezug?

Es zeigt sich ein neuer Trend: vermehrt werden nicht mehr Einzelkrankheiten oder Einzelsymptome, sondern komplexe Krankheiten und Risikokonstellationen, wie Typ-2 Diabetes oder kardiovaskuläres Hochrisiko behandelt. Beispiele sind aktuelle Studien wie ONTARGET oder ADVANCE. Hier werden Patienten mit Wirkstoffen oder fixen Wirkstoffkombinastionen behandelt, die traditionell gezielt und kontrolliert gegen einzelne Krankheiten bzw. Symptome – hier den Bluthochdruck – eingesetzt wurden.

In einem schönen Editorial von Krumholz und Lee im NEJM wird betont, dass Therapiestrategien und nicht Einzelmaßnahmen geprüft werden, dass somit Marker&Zielgrößen nicht ohne die sie günstig beeinflussende Strategie genutzt werden sollten, und das Leitlinien geprüfte Therapiestrategien unter expliziter Abwägung von Krankheitsrisiken, Behandlungsrisiken und möglichem Behandlungsnutzen empfehlen sollen. Dabei sei das individuelle Risiko zu berücksichtigen.

Führen solche monolithischen Therapiestrategien zwangsweise zur „polypill“? Ist das ein klassisches Beispiel, wo EbM zur Kochbuchmedizin führt? Oder ist das das Gegengift gegen immer neue Medikamente, die lediglich Surrogate irrelevant beeinflussen?

2 Kommentare zu “Einer für alle – Behandlung ohne Symptombezug?”

  1. Martina
    Dezember 23rd, 2008 20:50
    1

    Es zeigt sich ein neuer Trend: vermehrt werden nicht mehr Einzelkrankheiten oder Einzelsymptome, sondern komplexe Krankheiten und Risikokonstellationen, wie Typ-2 Diabetes oder kardiovaskuläres Hochrisiko behandelt.

    Diese Tendenz finde ich schon erstaunlich, werden hier auf einmal nämlich Faktoren berücksichtigt, die bei Studien aus der Komplementärmedizin abgelehnt wurden.

    Wenn die Pharmaindustrie in ihren Forschungsbreichen allmählich beginnt, die Behandlung komplexer Krankheiten zu untersuchen und auszutesten, dann wird sie irgendwann einmal an den Punkt gelangen, den manche Heilpraktiker schon längst praktizieren: nämlich die Arznei nach der Konstitution des Patienten und unter Berücksichtigung seiner Lebens- und Ernährungsverhältnisse zu untersuchen.

    Diese Faktoren vermisse ich noch, da gerade sie einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Überspringen des PEP haben.

  2. Adriane M.
    April 13th, 2010 11:04
    2

    Ich meine, man kann keine Polypille erfinden, das ist einfach unmöglich

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