Archiv für die Kategorie 'Webseiten'

Infomanagement im Web 2.0 mit Schwerpunkt Medizin & EbM

Mittwoch, 16. April 2008

BücherregalWeb 2.0 ist das Schlagwort, was für Mitwirkung, offene Standards, Weiterverwendung, Nutzerfreundlichkeit… steht. Einige Grundlagen und für Medizin & EbM relevante Dienste und Seiten mit Schwerpunkt Informationsmanagement werde ich vorstellen.

1. RSS

Was ist das?

RSS kehrt aus Sicht des Nutzers den Informationsfluß um: Inhalte (s.u.) werden „abonniert“ und laufen an einer Stelle (Reader, s.u.) automatisch zusammen. Im Gegensatz zu Webseiten muß man nicht regelmäßig selber nach Aktualisierungen schauen – und eine Emailadresse, wie bei einem Email-Abo muss man auch nicht angeben: Kontrolle und Komfort.

RSS ist ein standardisiertes Nachrichtenformat, wobei „Nachricht“ hier in einem sehr allgemeinen Sinne gemeint ist. Diese sind mit zusätzlichen Informationen (von Zeitstempeln bis Geolokalisierung ist alles denkbar) in maschinenlesbarer Form verknüpft. Interessant wird RSS durch die in diesem Format verfügbaren Inhalte und die dank Standardisierung und maschinenlesbarer Meta-Daten mögliche automatische Weiterverarbeitung.

Inhalte

An Inhalten gibt es u.a. Blogs (ursprünglich Web-Tagebücher, inzwischen aber wie dieses Blog mehr thematisch fokussierte Seiten mit regelmäßigen Beiträgen und Kommentierungsmöglichkeit), eTOCs (Inhaltsverzeichnise und „early releases“ von Zeitschriften, idR mit Abstracts), jegliche Art von Neuigkeiten (zB Meldungen von Zulassungsbehörden, Veranstaltungshinweise, Aktualisierungshinweise von Leitlinien) sowie Suchergebnisse gespeicherter Suchanfragen, Zitierungsalarme…

Seiten, die einen RSS-Feed haben, zeigen das in der Regel duch das orange Icon RSS feed icon (von http://www.feedicons.com ). Moderne Browser wie Firefox und IE7 zeigen einen RSS-Feed zusätzlich durch das RSS-Symbol in der Addressleiste an (ältere Browser, wie IE5/IE6, Netscape oder Mozilla können generell nicht mehr empfohlen werden).

Reader

RSS-Feeds werden mit einem „Feedreader gelesen“. Diese gibt es als normale Anwendung, die man auf dem Computer installiert (z.B. RSSOwl, Amphetadesk aber auch das Mailprogramm Thunderbird) und als webbasierte Lösung (z.B. Bloglines, Netvibes, Google Reader) [mehr…]. Beides hat Vor- und Nachteile und letztlich entscheiden die persönlichen Vorlieben. Ich nutze den Google Reader.

2a. Informationsverwaltung: Bookmarks

Die eigene Bookmarksammlung („Favoriten“ IE-Jargon) ins Netz zu verlegen ist aus vielen Gründen sinnvoll: sie können von jedem Rechner (Büro, Internetcafe…) zugreifen und haben sie gegen Datenverlust geschützt. Bookmarks werden dabei in eine öffentlich zugänglichen und einen paßwortgeschützten privaten Teil getrennt. Bookmarks können mit Schlagwörtern („tags“) versehen werden. Über tags können eigene und fremde Bookmarks thematisch sortiert und gesucht werden. Man kann auch sehen, was andere Nutzer noch bebookmarkt haben, die die selben Bookmarks haben. So erschließen sich mit wenigen Mausclicks neue interessante und oft relevante Quellen. Und (nur) wenn man will teilt man seinen Bookmark-Schatz mit der Welt. Beispiel für solche „Social Bookmarking“-Dienste sind Delicious, Mr. Wong, Diigo und zahllose andere… Ich nutze Delicious. PS: Beiträge aus diesem Blog können Sie mit den kleinen Icons unter dem Text direkt bei einige Bookmaring-Diensten speichern.

2b. Informationsverwaltung: Literatur

Auch die eingene Literatursammlung kann mit Zusatznutzen ins Web: Bei Diensten wie Connotea und CiteULike können Literaturstellen eingeben – oder ganz bequem aus Datenbanken wie PubMed oder der eigenen Literaturdatenbank importiert werden. Auch hier gibt es eigene Schlagwörter Kommentare und eine Diskussionsfunktion mit anderen Nutzern, die den selben Artikel aufgenommen haben. Zum Bibliographieren in eigene Texten geht es dann mit der Exportfunktion zurück in die eigene Literaturverwaltung. Beruflich nutze ich Refworks, eine eher „klassische“ jedoch webbasierte Literaturverwaltung, die leider nicht kostenlos ist.

3. MashUps

Die MashUps bauen aus den in Internet verfügbaren Informationsbausteinen neue Dienste. Ein Beispiel ist HealthMap, wo aus RSS-Feeds zu Epidemien, Geolokalisierung und Google Maps ein ständig aktuelle Nachrichtenlandkarte entsteht.

Probieren Sie den einen oder andern Dienst doch einfach aus! Es wird Vieles vereinfacht und Neues möglich.
Nutzen Sie die Kommentarfunktion, um Ihre Erfahrungen zu teilen!

Evidenzbasierte Diagnostik

Dienstag, 29. Januar 2008

TestEvidence-based Diagnostik beschränkte sich im Rahmen der 5-Minuten-Evidenz meist auf entsprechende Empfehlungen in Leitlinien. Gerade kommt von den fleißigen EbMler der Trip Database ein Hinweis auf eine neue Seite: BetterTesting. Neben der obligatorischen Suchfunktion haben die Autoren Empfehlungen zur Diagnostik thematisch sortiert. In kurzen, gut verständlichen Texten wird neben den Fragen „wann & was testen“ auch auf Fragen wie „wann erneut testen“ eingegangen. Zu jedem Artikel gibt es umfangreiche Quellenangaben. Also genau das Richtige für die 5-Minuten-Evidenz!

Wer sich weiter mit dem Thema beschäftigen möchte sollte beim EbM-Netzwerk vorbeischauen. Dort finden Sie auch die Diagnostik-Studie des Monats, und einen Newsletter aus Salzburg (die 2. Ausgabe enthält u.a. einen Artikel zu Likelihood-Ratios)

Auch die Cochrane Library wird bald systematische Übersichtsarbeiten zur Diagnostik enthalten. Erste Protokolle sind online.

Eine bunte Mischung an Hintergrundartikeln und konkreten Bewertungen gibt es bei Bandolier. Interessante Artikelsammlung gibt es vom BMJ und EbM, jedoch ist leider ohne Abo nicht alles zugänglich.

Einführung in Diagostikstudien und Hinweise zur gezielten Suche gibt es aus dem ADEPT-Kursprogramm. Mehr zur Statistik gibt es aus Nebraska.

Eine Checkliste zur Bewertung von Diagonstikstudien offeriert das NHS. Online-Rechner und Hinweise zu Bias und Evidenzleveln bietet die Uniklinik Colorado.

Tiefschürfender Literatur gibt es reichlich, ich bin über diesen Artikel gestolpert.

Nachtrag: grob vergleichbar zu bettertesting.com ist arupconsult.com von der Uni Utah.

Nebenwirkungen suchen (UAW-Suche)

Donnerstag, 17. Januar 2008

Regelmäßig werde ich mit der Frage beschäftigt: „Könnte das eine Medikamentennebenwirkung (UAW) sein?“. Ich schildere, wie ich vorgehe und übergehe dabei bewußt kostenpflichtige Quellen und beleuchte weniger bekannte Wege.

Einstieg ist immer die aktuelle Fachinformation. Diese Information ist „amtlich“ – und last but not least findet man die Telefonnummer des Herstellers für evtl. Nachfragen. Wer keinen DocCheck-Zugang hat und etwas auf Deutsch lesen möchte, kann die Schweizer Fachinfo einsehen.

Auch Bücher sind im Internetzeitalter eine mögliche Quelle. Inzwischen sind recht viele Bücher bei Amazon nach Registrierung über „search inside“ online anzusehen. Blättern geht dort nur beschänkt, aber in diesem Falle ist eh die Suchfunktion entscheidend. Ein Blick in „Myler’s side effects of drugs“ schadet jedenfalls nicht.

Reactions Weekly kann beschränkt auch ohne Abo genutzt werden: Unter „quick search“ suchen Sie nach dem Symptom und wenn etwas gefunden wurde dann ggf. mit „refine search“ nach dem Medikament. Den Volltext, i.d.R. Fallberichte, bekommt man zwar nur als Abonnent – aber manchmal hilft es ja erstmal auch, nur zu wissen, daß es etwas geben könnte.

Prinzipiell sind die Aufsichtsbehörden eine gute Quelle für aktuelle Informationen zu Nebenwirkungen. Hier gelistete UAW sind relevant und gut belegt.
Vorbildlich ist die FDA: Suchfunktion, RSS-Feed…
Das BfArM verstreut Informationen leider über mehrere Seiten in der Rubrik „Pharmakovigilanz„. Zentral erscheint die Seite „Risikoinformationen„, die immerhin einen RSS-Feed hat.
Die EMEA gibt sich leider besonders viel Mühe, Informationen unzugänglich anzubieten. Zentral ist die Seite „what’s new„. Wenn man tief einsteigen will, empfehlen sich die EPARs, also die zentralen Zulassungsdokumente (jeweils die Datei „Scientific Discussion (6)“).
Ähnlich viel Mühe beim Verstecken gibt sich das PEI wenn es um die Datenbank mit Impfschäden geht.

PS: Arzneimittel-Interaktionen sind ein verwandtes Problem. Hierzu gibt es eine schöne Übersicht zu Internetquellen bei David Rothman.

Übersicht: Alternative Pubmed-Oberflächen

Mittwoch, 05. Dezember 2007

Pubmed-LogoEs gibt eine schwer zu überblickende Vielfalt alternativer Suchoberflächen zu Pubmed mit teils sehr interessanten Möglichkeiten.
David Rothman hat auf zwei Übersichtsarbeiten dazu hingewiesen [1, 2]: ein Poster von Isabel de Kaenel mit prägnanten Kurzbeschreibungen und ein weiteres Poster mit Handout und Webseite von Margaret Henderson.
Ich nutze hin und wieder GoPubMed um zu Themen die wichtigen Journals und wichtige Autoren zu finden. Kollegen mit Berührungsängsten vor dem Englischen empfehle ich gelegentlich BabelMeSH.

Leitliniensuche mit Pubgle

Mittwoch, 05. Dezember 2007

Es gibt eine neue Leitliniensuchmaschine: Pubgle. Das Ganze ist ein unprätentiöses Web 2.0-Mashup aus Pubmed, eine Leitlinien-Suchstrategie und Google. PubGle
Nach Eingabe des Suchbegriffes wählt man eine spezifische („Search 1“) oder sensitive („Search plus“) Suchstrategie aus. Pubgle durchsucht dann Medline und gibt die ersten Treffer zurück. Häufig steht man ja dann vor dem Problem, den Volltext zu beschaffen wenn er nicht verlinkt ist. Hier hilft Pubgle, indem es eine Google- oder Yahoo-Suche nachschaltet und auch hier die Suchergebnisse selber verwaltet. Als letzten Schritt kann man den richtigen Treffer markieren, so daß sich der nächste Sucher nicht wieder durch Google wühlen muß.
Funktioniert – nur schade, daß sich die spanischen Autoren wenig Mühe mit der Übersetzung gegeben haben und sich hinter nicht funktionierenden EMail-Adressen verstecken.

Evimed – aktuelle Studien kritisch kommentiert

Dienstag, 04. Dezember 2007

Der Evimed Journalclub des Schweizer Horten-Zentrums veröffentlicht regelmäßig deutsche Übersetzungen der Abstracts und ausführliche, kritische Kommentierung zu aktuellen Studien aller Fachgebiete. Erfreulicherweise gibt es seit kurzem einen RSS-Feed, so daß man bequem auf dem Laufenden bleiben kann.

Deutschsprachige Studienrezensionen

Dienstag, 04. Dezember 2007

Die Webseite Medknowledge von Kollegen Dr. med. Koc übersetzt und kommentiert in der Kategorie “Medline Rezensionen” regelmäßig neue Studien aus allen Bereichen. Leider ist die Kommentierung häufig knapp und unkritisch – andereseits ist durch die Vorauswahl und Übersetzung die Einstiegs-Hürde, sich selber im Detail mit der Studie auseinanderzusetzen niedriger gelegt. Es gibt noch keinen offiziellen RSS-Feed, aber man kann sich behelfen.