Archiv für Dezember 2007

Frohes Weihnachten und ein Gutes 2008!

Montag, 24. Dezember 2007

Ich wünsche allen Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für 2008!

Wer sich die Zeit unterhaltsam vertreiben möchte, kann das mit einer Analyse der Genetik der Magie am Beispiel von Harry Potter tun – wer das Erbauliche vorzugt: Elisabeth von Thüringen.

Wessen Brot ich es, dessen conclusion ich sing

Montag, 10. Dezember 2007

KlingelbeutelDas Thema ist ja prinzipiell bekannt, doch sind zwei aktuelle Studien erwähnenswert:

Nieto und Kollegen untersuchen die Berichterstattung von Nebenwirkungen in RCTs zu inhalativen Cortocosteroiden (Arch Intern Med.2007; 167: 2047). Sie finden, wie schon an anderen Beispielen gezeigt, daß Nebenwirkungen in industriefinanzierten Studien im Vergleich zu nicht-industriegesponsorten Studien seltener oder geschönt berichtet werden.
Das Ganze ist besonders pikant, da ja gerne das Vergleichsmedikament unterdosiert wird, um einen Wirksamkeitsvorteil besser belegen zu können – und bei niedriger Dosis ja auch die Nebenwirkungen des Vergleichsmedikamentes so tendentiell selterner auftreten sollten. Auch hier sind industriefinanzierte Studien ge-bias-t und berichten deutlich häufiger, daß trotz signifikanter Unterschiede von Sicherheitsparametern das Studienmedikament „sicher“ sei.

Yank und Kollegen haben erstmals bei Meta-Analysen den selben Zusammenhang untersucht (BMJ 2007;335:1202). Sie konnten zeigen, daß das für Antihypertensiva das rechnerische Ergebnis unabhängig von der Finanzierung gleich ist, das Fazit der Autoren aber dann (interessensgesteuert) abweicht.

Also: Transparenz bei der Offenlegung von Interessenkonflikten ist unabdingbar – und Vorsicht bei der Bewertung und Kommentierung; lieber selber die Zahlen anschauen.

Warnung vor dem Lipid-Surrogat-Endpunkt

Sonntag, 09. Dezember 2007

Rutschgefahr!„UHU“ – „Unter Hundert“ schallt es aus ganzseitigen Anzeigen im deutschen Medizinblätterwald. Patienten sollen ein neues „Ziel“ erreichen – praktischerweise ein, was nicht selten eine Polypharmakotherapie provoziert (s.u.).
Hier wird ein klassischer Surrogatendpunkt anvisiert. Das Lipid-Surrogatparamter durchaus fraglich sind, zeigt das aktuelle Beispiel von Torcetrapib:
Nachdem die Substanz zwar die Lipidwerte „verschönert“, aber bei einem ersten Surrogatendpunkt (Carotisplaquevolumen) durchfiel, wurde nun ein „Megatrial“ gestoppt, da gegenüber Placebo mehr Patienten verstarben. Das Editorial sinniert (leider nur) über das Ende von HDL als Surrogat.
Ob Gesamtcholesterin und LDL gute Surrogate sind ist nicht ganz geklärt. Von Langzeitstudien zum Ezetimib, was immerhin schon seit 2002 in Deutschland zugelassen ist, hört man bisher nichts. Damit bleibt auch „UHU“ – zumindest wenn man es nicht mit Statin-Monotherapie erreicht – fragwürdig.

Noch ein Schluß-Zitat: „it is estimated that more Americans were killed as a result of class Ic antiarrhythmic agents used in this manner than were killed in the Vietnam war“(Moore T. Excess Mortality Estimates. Deadly Medicine: Why Tens of Thousands of Heart Patients Died in America’s Worst Drug Disaster.New York, NY: Simon & Schuster; 1995) [gefunden hier]

UPDATE: Ezetimib ist nun offiziell durchgefallen (bei Patienten mit familiärer Hypercholesterinämie und dem Surrogat-Endpunkt Carotis-Intima-Media-Dicke.

Publication bias auf YouTube

Samstag, 08. Dezember 2007

YouTube LogoJenniffer Keelan und Kollegen von der Uni Toronto haben eine ungewöhnliche Quelle beleuchtet: YouTube, eine Videoseite, wo jeder kostenlos Videos veröffentlichen kann.
In einem research letter im JAMA (2007 298: 2482-2484, Volltext) untersuchen sie Aussagen zu Impfungen. Von 153 untersuchten Video waren 48% positiv (also insgesamt die Impfung befürwortend), 32% negativ und 20% uneindeutig (ambivalent oder debattierend) gegenüber der jeweiligen Impfung. Dabei enthielt fast jedes zweite der negativen Videos Aussagen, die Impfleitlinien widersprechen, während positive Videos keine solchen Widersprüche enhalten.
Interessanterweise werden positive Videos seltener angesehen und vom Publikum insgesamt schlechter bewertet.
Die Videoplattform YouTube ist also nicht geeignet, unverzerrte Informationen zur Impfung zu erhalten, und deren Nutzer sind einer Impfung gegenüber eher ablehnend eingestellt.
Ärzte sollten dies sowohl bei eigenen Recherchen als auch bei der Beratung von Patienten, die sich im Internet vorinformiert haben beachten.

Übersicht: Alternative Pubmed-Oberflächen

Mittwoch, 05. Dezember 2007

Pubmed-LogoEs gibt eine schwer zu überblickende Vielfalt alternativer Suchoberflächen zu Pubmed mit teils sehr interessanten Möglichkeiten.
David Rothman hat auf zwei Übersichtsarbeiten dazu hingewiesen [1, 2]: ein Poster von Isabel de Kaenel mit prägnanten Kurzbeschreibungen und ein weiteres Poster mit Handout und Webseite von Margaret Henderson.
Ich nutze hin und wieder GoPubMed um zu Themen die wichtigen Journals und wichtige Autoren zu finden. Kollegen mit Berührungsängsten vor dem Englischen empfehle ich gelegentlich BabelMeSH.

Leitliniensuche mit Pubgle

Mittwoch, 05. Dezember 2007

Es gibt eine neue Leitliniensuchmaschine: Pubgle. Das Ganze ist ein unprätentiöses Web 2.0-Mashup aus Pubmed, eine Leitlinien-Suchstrategie und Google. PubGle
Nach Eingabe des Suchbegriffes wählt man eine spezifische („Search 1“) oder sensitive („Search plus“) Suchstrategie aus. Pubgle durchsucht dann Medline und gibt die ersten Treffer zurück. Häufig steht man ja dann vor dem Problem, den Volltext zu beschaffen wenn er nicht verlinkt ist. Hier hilft Pubgle, indem es eine Google- oder Yahoo-Suche nachschaltet und auch hier die Suchergebnisse selber verwaltet. Als letzten Schritt kann man den richtigen Treffer markieren, so daß sich der nächste Sucher nicht wieder durch Google wühlen muß.
Funktioniert – nur schade, daß sich die spanischen Autoren wenig Mühe mit der Übersetzung gegeben haben und sich hinter nicht funktionierenden EMail-Adressen verstecken.

Evimed – aktuelle Studien kritisch kommentiert

Dienstag, 04. Dezember 2007

Der Evimed Journalclub des Schweizer Horten-Zentrums veröffentlicht regelmäßig deutsche Übersetzungen der Abstracts und ausführliche, kritische Kommentierung zu aktuellen Studien aller Fachgebiete. Erfreulicherweise gibt es seit kurzem einen RSS-Feed, so daß man bequem auf dem Laufenden bleiben kann.

Deutschsprachige Studienrezensionen

Dienstag, 04. Dezember 2007

Die Webseite Medknowledge von Kollegen Dr. med. Koc übersetzt und kommentiert in der Kategorie “Medline Rezensionen” regelmäßig neue Studien aus allen Bereichen. Leider ist die Kommentierung häufig knapp und unkritisch – andereseits ist durch die Vorauswahl und Übersetzung die Einstiegs-Hürde, sich selber im Detail mit der Studie auseinanderzusetzen niedriger gelegt. Es gibt noch keinen offiziellen RSS-Feed, aber man kann sich behelfen.

Schnelle Suche

Dienstag, 04. Dezember 2007

Die Literatursuche ist oft steinig. Spezialisierte Suchmaschinen können da helfen.
TRIP database Die Tripdatabase ist eine solche. Nach Eingabe der englischen Suchbegriffe erhalten Sie die Suchergebnisse übersichtlich gruppiert in Evidenzbasierte Übersichtsarbeiten, Leitlinien (sortiert nach Herkunft), Online-Lehrbücher (wie eMedicine und Ganfyd) und auf Wunsch auch vorgefiltertet Suchergebnisse aus PubMed.
In der Praxis findet man bei allgemeinen Problemen oft eine Antwort in den (meist qualititiv hochwertigen) englischen Leitlinien, frischt in den eTextbooks schnell eventuelle Wissenslücken zur Grunderkrankung auf und schaut dann bei spezielleren Fragen nach Systematic Reviews.