Archiv für Februar 2008

„evidence-based medicine“ vs „science-based medicine“?

Mittwoch, 20. Februar 2008

Nadeln auf ForrestplotIn der engl. „EbM-Blogosphäre“ wurde gerade eine Diskussion über „Komplementärmedizin“ (mit Vorschlägen wie Umbenennung in „Paramedizin“ o.ä.) zu einer interessanten Debatte über Grenzen und Abgründe der EbM. (ein guter Einstieg ist:[1], [2], [3])

Die Grundbotschaft ist, dass sich mit EbM alles beweisen lasse, egal ob noch so absurde Grundvorstellungen dahinterstecken (Homöopathie, Akupunktur…) – und Ursache sei, dass die Vortestwahrscheinlichkeit nicht berücksichtig wird. Das Grunddilemma wurde von Ioannidis in „Why Most Published Research Findings are False“ thematisiert. Eine hervorragende Zusammefassung und Erklärung der Idee und der Statistik dahinter wurde schon vor einiger Zeit von Tabarrok gebloggt.

Kurz gesagt: wenn man beliebig testet wird man irgendwann mal ein positives Ergebnis finden – und im schlimmsten Falle wird es dann durch eine Meta-Analyse geadelt. Bei Anwendung der EbM-Methodik auf Zweifelhaftes sollten die Zweifel auch bei korrekter EbM-Methodik erhalten bleiben. Zwar gilt der Grundsatz „biologische Plausibilität hat schon zahllose Leben auf dem Gewissen“ – aber der Umkehrschluß, dass man gar keine biologische Plausibilität (Pathomechanismen, Pathobiochemie…) mehr brauche ist auch abzulehnen.

Spannende Diskussion oder alter Hut? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

PS: passend zum Thema ist auch der neuste Artikel von John Ioannidis im JAMA zum Thema wie lange sich widerlegte Fakten in der Literatur halten.